Donnerstag, 29. Oktober 2015

Wie Reizüberflutung unseren Alltag beeinflusst und 4 Schritte, damit umzugehen

Letzten Sonntag hatte ich die Ehre, am 2tägigen Symposium "Neue Wege gehen" einen Workshop zum Thema "Unsichtbares sichtbar machen - meine Intuition" zu geben. Es waren an die 100 Menschen dort, unter den Speakern auch bekannte Grössen wie Ueli Gertsch, Tom Meyers und Veit Lindau.

Solche Anlässe sind für mich immer schon eine grosse Herausforderung. Das ist ähnlich, wie beim Einkaufen. Viele Eindrücke, viele Menschen - viele Reize. Seit meinem Unfall ist es wegen dem Schädelhirntrauma eine noch grössere Herausforderung. Zur Zeit spezialisiere ich mich darauf, mich auch im Alltag noch gezielter "abzuschirmen". Oder wie Dale Carnegie es damals nannte: In "zeitdichten Schotten" leben.

Meistens ist es uns gar nicht bewusst, dass es diese vielen Reize sind, die uns müde und erschöpft machen. Aber wenn man sich dies näher anschaut, können folgende Faktoren bewusst werden:

  • Es gibt immer mehr Angebote, Events, Einladungen und Kaufmöglichkeiten, die an uns herangetragen werden.
  • Die Anforderungen von aussen sind immer höher; Jeder versucht es halt, uns "ins Boot zu holen": Geschäftliche und private Termine, Schulbesuche, Sportanlässe der Kinder, ehrenamtliche Engagements, Nachbarn, Verwandtschaft, Arzttermine, Sport, Hundespaziergang, Einkaufen, etc
  • Die Kanäle, worin diese Ansprüche geäussert werden, werden immer mehr: Schriftliche Post, elektronische Post (Email), diverse Chats (SMS, Threema, WhatsApp, div. Messenger), diverse Apps, sämtliche Social Media (Twitter, Facebook, Xing, etc), Fernseher, etc über PC, Tablets und Mobilephones.
  • Was die meisten dabei unterschätzen ist die Tatsache, dass wir bei jedem dieser obigen Faktoren, auch die unsichtbaren Aspekte wahrnehmen: Gefühle und Emotionen von Anderen, aber auch unsere eigenen, die dabei mitschwingen (z.B. welche Gefühle empfindet die Lehrerin, wenn sie bei uns ein dringendes Gespräch über meinen Sohn fordert? Was wiederum löst dies bei mir selbst aus?). 
Spannend ist, dass ich sehr häufig mitkriege, dass wir Menschen diese äusseren, "sichtbaren" (offensichtlichen) Reizfaktoren zwar erkennen, aber denen dann die "Schuld" für den aufkommenden Stress in die Schuhe schieben.

Dabei ist es doch tatsächlich so, dass es jeder "einfach probiert" oder es sogar als seine Pflicht anschaut (diese Lehrerin zum Beispiel). Was auch immer als Motiv hinter diesem äusseren Reiz steckt, wir können diesen Beweggrund nicht beeinflussen! Es ist nicht "Meins".
Aller meistens meint es niemand vorsätzlich "böse" oder will uns schaden.

Aber wir können beeinflussen, wie wir damit umgehen möchten. Das wiederum ist "Meins".

4 Schritte im Umgang mit Reizüberflutung:


1. Uns ganz ehrlich zu reflektieren, hilft uns schon, uns zu beruhigen und Dank diesem 1. Schritt Kräfte zu sparen. 

Überprüfen wir also:
    • Was löst diese Forderung in mir aus? Will ich das, was es auslöst (zB Stressgefühle)? Was möchte ich stattdessen?
    • Brauche ich diese Termine dringend? Was passiert, wenn ich nicht gehe?

2. Sobald wir erkennen, was wir wirklich wollen, können wir dafür auch die Verantwortung übernehmen. Fragen wir uns also:
    • Welcher Termin ist wirklich wichtig und dringend? Welche sind es nicht?
Eine Abgrenzung ist es dann, wenn ich die Gnade habe, "Nein" zu sagen, mich für etwas zu entscheiden und die Termine, die nicht wirklich wichtig und dringend sind, abzusagen oder zu verschieben.


3. Diese Abgrenzung völlig gelassen und selbstverständlich durchzusetzen, hilft uns erneut, Energie zu sparen. 

Und wissen Sie was? Es hilft auch der anderen Partei, die mit involviert ist:
    • Völlig gelassen und selbstverständlich abzusagen ist eine Abgrenzung und schafft Klarheit in die Situation. Für alle Beteiligten.

Meistens jedoch drücken wir uns davor, jemandem etwas "abzusagen". Die Gründe sind verschieden, aber meistens ist es nur einer. Wir wollen das Gegenüber nicht "verletzen". Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass es für den Anderen auch eine Erleichterung ist, wenn er nur endlich weiss, woran er ist? Erst durch diese Abgrenzung, die kommuniziert wird, ist es allen Beteiligten möglich, konstruktiv nach vorne zu schauen.

Sie können also davon ausgehen, dass Sie nicht nur sich selbst einen riesigen Gefallen tun, wenn Sie lernen, Ihre Reizüberflutung zu handeln. Nein. Sie machen allen Beteiligten einen Gefallen.

Und glauben Sie mir: Sie sind ein Vorbild! Denn jeder, der sie dabei erlebt, merkt zumindest unbewusst, wie gut es ist, was sie tun. Und die Achtung vor Ihnen steigt.

4. Übrigens wird diese Achtung vor Ihnen garantiert entstehen, wenn Sie bei der Absage ehrlich sind. 

Wie oft bringen wir eine fadenscheinige Ausrede? Warum eigentlich. Grundsätzlich können wir doch dazu stehen, warum "es nicht geht". Überprüfen Sie das mal. Ich bin der Überzeugung, dass jeder von uns - auch jene, die in feinstofflicher Wahrnehmung nicht geschult sind - spüren, wenn es eine "Ausrede" ist.

Sich zuerst freundlich bedanken mit ein, zwei stimmigen Sätzen, kann ein tolles Kissen sein, um die Absage einzuleiten. Ein Beispiel: 

"Barbara, ich bedanke mich herzlich für Deine Einladung. Ich weiss, es ist ein wichtiger Anlass für Dich und es werden tolle Menschen daran teilnehmen, die ich auch kenne. Leider sage ich Dir dafür ab. Mir ist es nach wie vor zu viel, unter Menschen zu sein und ich möchte zu Hause bleiben. Erzählst Du mir danach, wie es gewesen ist?"

Schreiben Sie mir in die Kommentare, ob Sie die Reizüberflutungen in Ihrem Leben erkannt haben und wie Sie damit umgehen! Oder fügen Sie weitere Tipps an, wie man sich abschirmen kann, um die eigenen Kräfte zu sammeln. Ich bin sehr gespannt auf Ihre Erfahrungen.

Und wer weiss? Vielleicht erlebt die Eine oder Andere sogar Glücksgefühle beim Umsetzen der "zeitdichten Schotten"? Das wünsche ich Ihnen von Herzen.

Ihre Chantal Perrinjaquet


P.S. Dieser Artikel zum Thema "Reizüberflutung" hat sich mein nächster Gast im Podcast gewünscht. Es handelt sich um die Businesslady Brigitte Graf-Herde, welche für das Podcast-Interview extra zu mir gekommen ist. Mehr zu Brigitte finden Sie unter www.kochenundmehr.ch und auf www.facebook.com/kochenundmehr - und den Podcast finden Sie 2 Tage nach diesem Post auf iTunes. Freuen Sie sich auf ein spannendes Gespräch!

Ach ja... Vergessen Sie nicht: Sie sind "bewusst bei mir", weil Sie es sich Wert sind. Und weil Sie es können. :-)



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