Donnerstag, 14. August 2014

Angebotsüberflutung? Prioritäten und Co.

(Kennen Sie das, wenn Sie ein Wort mehrmals wiederholen oder aufschreiben - und je öfter Sie dies tun, umso absurder und fremder fühlt sich dieses Wort an?

So ging es mir vorhing grad mit dem Wort "Prioritäten".... wenn ich dieses Wort noch oft schreibe, werden wohl seltsame Abwandlungen an dessen Stelle erscheinen. Verwundern Sie sich also bitte nicht! Alle folgenden Worte mit Endung "... täten" meinen in Wahrheit "Prioritäten". Meine Hand ist versucht, jetzt zum Beispiel "Animositäten" (was bedeutet dies denn..?)  auszudrucken und in meinem innern Auge sehe ich ein Bild einer alten Kirche mit einem "Prioren" davor (was ist ein Prior?).

Inzwischen habe ich den Prioren gegoogelt und herausgefunden, dass es sich um einen Vorsteher eines Kloster handelt. Nun ja. Ich wollte ja über "Prioritäten" schreiben.)

Die intensive Zeit, die uns nun seit vielen Monaten in verschiedensten Farben bewusst begleitet, zeigt sich auch im Thema "Prio-Dings". Wenn das Leben, der Alltag, intensiver erscheint, kommt man nicht drumherum, Prioritäten zu setzen, will man nicht wahnsinnig werden. Finden Sie nicht auch?

Dies ist nicht nur in meinem Bekannten- und Familienkreis, in meinem Berufsalltag und im meinem eigenen Privatleben zu erkennen, sondern auch Netzwerkpartner berichten mir dies im Zusammenhang mit Zu- und Absagen von Kursen und Anlässen. Wir scheinen zur Zeit derart von vielen Dingen überflutet zu sein, dass es uns schwer fällt, uns für etwas zu entscheiden. Hier nur einige Beispiele:

  • Täglich haben wir eine grosse Auswahl von wundervollen geschriebenen, interessanten Artikeln in Zeitungen, in Social Medias (Facebook, Xing, Youtube etc), Newslettern (falls Sie sich hier nicht entscheiden können - lesen Sie auf jeden Fall immer unseren als ersten, dann kann nichts passieren... ;-) ) und online-News-Platformen. Wann haben wir nur die Zeit, diese Geschenke zu lesen?
  • Jedes Wochenende könnten wir an X-verschiedenen Einladungen teilhaben. Für welche sollen wir uns entscheiden? Überall sind nette Menschen, niemanden wollen wir durch unsere Absage verletzen.
  • Es würde uns vielleicht gefallen, etwas für unsere Weiterbildung zu tun. Dazu gibt es ein immer grösserer Angebot an Info-Anlässen, Workshops, Seminaren und berufsbegleitenden Ausbildungen. Für welchen sollen wir uns Entscheiden? Wir wollen weder Zeit noch Geld falsch einsetzen.
Und so weiter. Wir werden überall mit einem riesigen Angebot "überflutet". Könnte man meinen. 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit dieser Überflutung umzugehen. Man kann sie zum Beispiel ignorieren. Wer weiss, vielleicht verschwindet sie dann plötzlich?

Oder man könnte sie beschimpfen. Indem wir über die Einladung zum Apéro runterziehen, wer will schliesslich schon ein Haus einweihen.




Leider setzt man nicht unbedingt Animositäten. So passiert es, dass Gastgeber/Veranstalter meist auf der Ungewissheit sitzen bleiben. Kommen die Gäste? Kommen sie nicht? Melden sie sich an und im letzten Moment doch wieder ab?

Man könnte die Entscheidung auch dem Lebenspartner überlassen. Oft klappt dies sehr gut! Vor allem, wenn dieser ein gutes Händchen für unser Wohlbefinden hat. Und er ist natürlich Schuld, wenn die Entscheidung nicht die beste gewesen ist.

Sie ahnen... oder machen es selber schon anders: Keine dieser obigen Möglichkeiten kann auf Dauer die wirklich beste sein. Meiner Erfahrung nach, ist die Folgende eine der Besten. Denn sie erlaubt allen Beteiligten, offen und ehrlich weiter zu gehen und sich neuen Überflutungen zu widmen:

Wir leben in einer Zeit, wo es so wichtig wie noch selten ist, Prioritäten zu setzen. Tun wir uns den Gefallen! Und zwar genau in dem Augenblick, wo wir zum ersten Mal mit dem Angebot konfrontiert werden. Warum? Weil wir es danach wieder vergessen... oder verdängen... Ich empfehle folgender, kleiner Ablauf:

  • Angebotüberflutung erkannt: Sofort entscheiden!
  • Was zieht mich am meisten an? Wo und mit wem fühle ich mich ehrlich am wohlsten? Gibt es noch andere wichtige Punkte, die mir bei der Entscheidung helfen? Vielleicht bespreche ich mich noch mit meinem Lebenspartner?
  • Die anderen Angebote am besten jetzt gleich freundlich, dankend und ehrlich absagen. "Vielen Dank für die Einladung, leider habe ich mich schon für einen anderen Anlass entschieden. Ich wünsche Euch viel Freude!" Die rasche Absage ermöglicht dem Veranstalter, gut zu planen.
  • Für das, was ich mich entschieden habe, melde ich mich jetzt gleich an, um die Anmeldefrist nicht zu verpassen und dem Gastgeber die Möglichkeit zu geben, optimal zu planen. Den Termin trage ich sofort in meinem Kalender ein.
  • Immer, wenn ich an diese Entscheidung denke, lasse ich Vorfreude zu! Wenn es dann nämlich soweit ist, ist es nicht so schlimm, wenn ich von der Arbeit ein wenig müde oder vom Regenwetter betrübt bin. Im Gegenteil: Jetzt freue ich mich auf diese "Ablenkung", diese Horizonterweiterung meines Alltags. Ein Geschenk, wenn ich es als solches will!

Dies könnte ein wenig Entspannung in unsere alltäglich Angebotsüberflutung bringen. Aber nicht jeder funktionert wie Andere. Deshalb trifft eine gute Taktik auch nicht auf jeden zu. Was ist Ihre Erfahrung, womit kommen Sie am besten mit dieser Thematik zurecht? Hinterlassen Sie uns hier Ihre wertvollen Erfahrungen und Gedanken. Und gestatten Sie den Lesern damit, den Horizont zu erweitern und auch von Ihren Erfahrungen zu lernen. 

Und entschuldigen Sie bitte meine Wort-Entgleisungs-itäten. :-D

Herzlich, Chantal Perrinjaquet




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